Annäherung
Träume sind niemals banal. Banal ist allenfalls ihr Tageslichtfilter. Seine Aufgabe ist es, den Traum einzuverleiben der engen Welt der Bewertungen und Interpretationen. Er will ihn instrumentalisieren und in Dienst stellen der so genannte Welt des Faktischen. So degeneriert er jede Alternativwelt zu schlichter Psychohygiene und zu seinem eigenen Fallbeil im Auftrag eines konfektionierten Diesseits.
Der Tageslichtfilter maßt sich an, Scharfrichter zu sein über gut und böse, gut und schlecht, relevant und irrelevant und bleibt dennoch die zu kurz geratene Messlatte kultureller Konvention, die den Traum als etwas ihr Zugehöriges und ihren Kategorien Verpflichtetes zu zähmen versucht, ihn usurpiert, okkupiert, verdauend verfremdet und, indem sie ihn mit fremden Rastern überzieht, in die Klauen nimmt, instrumentalisiert und schließlich vernichtet. Ein funktionalistisches Defragmentierungsprogramm für die als Last empfundene und nur hin und wieder erahnte Totalität - nichts anderes ist er, dieser Tageslichtfilter: Ein erbärmlicher Komplexreduktionsapparat. Seine Mission: Totalität mit der Brachialgewalt der Kausalität zu zerstückeln, um das armselige Leben um jeden Preis manövrierbar und beherrscht erträglich zu gestalten.
Die Energie, die der Tag aus diesem Prozess gewinnt, kann produktiv und destruktiv sein; die ablaufende Reaktion erhellend oder verhüllend. Ihr Stoffwechselendprodukt jedenfalls ist Ballast. Scheiße. Allenfalls noch Substrat für neue, meist weit monströsere Banalitäten, die selbst das bisschen Licht noch verdunkeln, das im Traum aufblitzt und im Traum und durch den Traum nur einen ersten, höchst flüchtigen Einblick erlaubt in sein wahres, unendliches Wesen.
Dieses wesentliche Prinzip, von dem er weiß, dass es weder Katalysator, Methode, Reagenz noch Attitüde ist, will Z. fortan „Das Dritte“ nennen: einen Kosmos, aus dem Struktur regnen kann. Als reines Sein ein reines Muss.